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Söldner brannten die Sendlinger Margarethen
Kirche
in der Mordweihnacht 1705 nieder. 1711
wurde sie
im Barockstil wiederaufgebaut. Heute präsentiert sie
sich in renoviertem Gewand. Nichts deutet zunächst
auf das grausame Geschehen hin.
Die verzweifelten
Oberländer versammelten sich am
23.12.1705 im
Kloster Schäftlarn. Geistliche unterstützten den
Aufstand. Sie wussten nichts vom
Verrat. Zu Essen
hatten sie nix, aber die Flösser
brachten das Bier
von der Wirtin aus Tölz voraus. Nach mehrmaligem
Umkehren erreichten sie
am 24.12. um 10 Uhr auf
die Nacht Thalkirchen,
besetzten den Roten Turm
und rannten auf das
Isartor zu. Doch die verabredete
Öffnung des Tores
blieb aus. Auf Mitternacht
stürmten sie erfolglos an,
wurden zurück
geschlagen und zogen sich nach
Sendling zurück.
Dort nahm am 25.12. gegen 10 Uhr
früh das
Gemetzel seinen Lauf. Die Männer mussten
in den
Schnee nieder knien. Bei Abgabe ihrer
kümmerlichen Waffen wurde ihnen Gnade
versichert.
Doch kurz darauf stürmten die Söldner
durch die
Reihen, machten alle nieder und raubten
ihnen das letzte Hemd. Nur wenige konnten fliehen.
Von
ihnen zeugen heute noch die Tafeln in
Schäftlarn und
Rottach.
Die Strassennamen von Sendling erinnern an den
Aufstand vor 300 Jahren: Namen wie Plinganser,
Jägerwirt, Senser, Kidler, Daiser, Mayer, Aberle,
Clanze, Heckenstaller, Engelhard, Passauer,
Hofmann sind Anführern gewidmet. Namen wie
Arzbach, Dietramszell, Gaissach, Gotzing,
Jachenau, Königsdorf, Lenggries, Marbach,
Reutberg, Schaftlach, Valley, Wackersberg, oder
Gelting, Gmund, Tölz und Waakirchen sind Orten im
Oberland gewidmet, aus denen die rebellierenden
Bürger nach München strömten. Nach allen mutigen,
verzweifelten Männern und Frauen zusammen wurde
die Oberländerstrasse benannt.
Das Oberländergrab befindet sich auf dem
ehemaligen Friedhof, gestiftet 1833 vom Geheimrat
Philip Ritter von Zwackh auf Holzhausen. Mit seiner
Stiftung ermöglichte er Messopfer, unterstützte die
Armen und Schulkinder in Sendling. Die Inschrift
lautet: "Unter diesem stillen Grabhügel ruhen 800
Bauern vom bairischen Oberland, gefallen nach
blutiger Gegenwehr an den Mauern des Kirchhofs im
hochherzigen Kampf für Fürst und Vaterland."
Auf der anderen Seite der Lindwurmstrasse steht der
Schmied von Kochel, dessen tatsächliche Gestalt
auf den Schmied Balthasar Riemensberger vom
Weiler Bach bei Neukirchen (Weyarn) zurückgeht.
Seine Legende hat sich im Volk erhalten. Er habe
einen Morgenstern schwingend sich heldenhaft
verteidigt und sei als einer der letzten im Sendlinger
Kirchhof gefallen. Das Brunnendenkmal hat die
Stadt München 1911 eingeweiht.
Im Falkenturm wurden die überlebenden Anführer
gefangen gehalten bis zur Hinrichtung.
Johann Clanze war ein Anführer des bayerischen
Volksaufstandes 1705. Er wurde am 29. Januar
1706 zusammen mit Johann Georg Aberle,
Sebastian Senser und Johann Georg Kidler auf dem
Schrannenplatz in München, dem heutigen
Marienplatz, mit dem Schwert enthauptet.
Die Oberländer Trommel von 1705 mit der zuletzt
Chamade, Ergebung getrommelt wurde, ist als
Leihgabe der Gemeinde Gotzing im Heimatmuseum
in Miesbach aufbewahrt.
Der Gotzinger Trommler ist an die Hauswand des
Wirtshauses in Gotzing bei Weyarn gemalt. Triebel
Hans ist der Wirt voller Leidenschaft und Herzblut.
Tel. 08020 1728. Montag Ruhetag.
Achtung: Tschüss freie Zone.
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Das Fresko an der Nordwand der Margarethen
Kirche gemalt 1830 von dem Münchner Maler
Wilhelm Lindenschmit dem Älteren erinnert an die
Schlacht. Es stellt den legendären Schmied von
Kochel und seine gefallenen Kameraden dar, wie
sie von den Söldnern des Kaisers ermordet
wurden. Wenige hatten Ahnung vom Krieg. Sie
waren meist Bauernsöhne, Knechte, Kuhhirten,
Schreiber, Flößer, Handwerker, so wie Schmied
Balthasar Riemensberger, Jäger Schöttle,
Gerichtsschreiber Plinganser, Student Passauer,
Hauptmann Mayer, Leutnant Clanze, Weinwirte
Jäger und Kidler, Kommissar Fuchs u.a.

Detail der Votivtafel von der Rettung Aufständischer
in der St. Laurentius Kirche in Egern .
Das "Braunauer Parlament." - der Westfälische
Friede von 1648 bot den Bürgern keinen Schutz vor
der Willkür des Kaisers. Ihr Freiheitsdrang war
größer als ihr Lebenserhaltungstrieb. Doch die stolze
Residenzstadt München hat sie im Stich gelassen.
Die drückenden Lasten des Kaisers im Bunde mit
den Engländern, Steuern und Abgaben, zwangs-
rekrutierte Männer, treiben die Baiern landesweit in
den Aufstand. Die Volkserhebung wird von den
Landesdefensionen angeführt, von den Vorgängern
der heutigen Gebirgsschützen. Doch nicht alle
Defensionen machen mit. In der Sendlinger Mord-
weihnacht bricht dieser Aufstand in einer bitteren
Niederlage zusammen. Die Landsknechte machen
keine Gefangenen und kennen kein Erbarmen. Die
waffenlos Ergebenen werden grausam hingemetzelt.

Zum 300.Jahrestag "trommeln" (von links)
Otto, Sepp und Wolfram in "Bluadige Zeiten"
"Lieder, Texte und Betrachtungen zum Aufstand
der Oberländer.
Anno 1705. Baiern ist von Kaiserlichen Truppen
besetzt. Kurfürst Max Emanuel ist geflohen,
verbündet sich mit den Franzosen und vergnügt
sich in Brüssel. Das Land ächzt unter der Last
der ständigen Steuereintreibungen und
Rekrutierungen. Die bairischen Beamten leisten
den Besatzern getreulich Amtshilfe. Überall
herrschten Denunziation und Verrat. Erpressung,
Plünderung, Raub, Verwüstung, Folterung,
Vergewaltigung, Mord und Totschlag sind an
der Tagesordnung. Ganz Baiern droht im Chaos
zu versinken. Da erheben sich zuerst im
Unterland und wenig später auch im Oberland
Handwerker und Bauern, um dem Schrecken ein
Ende zu bereiten. Gemeinsam wollen sie die
Landeshauptstadt München erobern und die
Besatzer verjagen. "Lieber Bairisch sterben als
Kaiserlich verderben!" Die Unterländer ziehen von
Burghausen, Altötting, Mühldorf, Kraiburg nach
Anzing und werden dort durch Verhandlungen
aufgehalten. Die Oberländer kommen mit Flössen
von Lenggries, Tölz, Schäftlarn, Starnberg. Das
Unternehmen endet in einem Desaster. Am 25.
Dezember 1705 werden die Oberländer in der
"Sendlinger Mordweihnacht" von den Kaiserlichen
Truppen abgeschlachtet.
Ein literarisch musikalisches Spektakulum von
und
mit Otto Göttler, Sepp Raith, Wolfram Kunkel"
Tel. 08144 981 87 Fax 989 223
Premiere: September 2005 in der Gotzinger
Trommel; am 25.12.2005 im Fraunhofer. 
So sah die Erhebung um 1812 aus. Sendlinger
Ansicht, eine Radierung von Wilhelm von Kobell.

Heutige Ansicht durch die alten Bäume vom
Kirchhof auf die Oberländerstraße.

Gotzinger Kirchentafel.

Im 30-jährigen Krieg von 1618-1648 ist Deutschland
ein Schlachtfeld: schreiende Kinder und Frauen,
Landsknechte aus Europa morden auf Deutschem
Boden im Auftrag der Kirchen Fürsten. Jeder Dritte
ist tot, andere sagen jeder Zweite. Länder wie
Holland und Belgien, Burgund, Savoyen, Piemont
gehen verloren. Die traurige Vorgeschichte von
1705, Mord und das Deutsche Drama.
Andreas Gryphius lebte von 1616-1664,
während des 30-jährigen Krieges schrieb er:
Es ist alles Eitel.
DV sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.
Was diser heute baut / reist jener morgen ein: Wo
itzund Städte stehn / wird eine Wisen seyn /
Auff der ein Schäfers Kind wird spilen mit den
Herden: Was itzund prächtig blüht / sol bald
zutretten werden Was itzt so pocht und trotzt ist
Morgen Asch und Bein / Nichts ist / das
ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein. Itzt lacht
das Glück uns an / bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spil der Zeit / der leichte Mensch
bestehn? Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich
achten / Als schlechte Nichtikeit / als Schatten/
Staub und Wind; Als eine Wisen Blum / die man
nicht wider find't. Noch will was Ewig ist kein einig
Mensch betrachten!

Vexierbild aus der Zeit. Aus dem Totenkopf wird
ein junger Mann, wenn er auf dem Kopf steht.
Mit erschreckten Augen schaun wir auf das Grauen.
Verstehn wir es auch?
Erst müssen die Deutschen mit Arbeit, mit Geld,
dann mit ihrem Blut bezahlen, was die
Grosskopferten aushecken. Und wenn sie wirklich
mal einen gemeinsamen Entschluss gefasst haben,
werden sie von eignen Leuten verraten.
Oh, du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit,
freue dich, oh Christenheit.
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