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Wettbewerb Jüdisches Denkmal Berlin Koppenplatz 1988 (mit S. van Schie und A. Glücksmann).
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Das Viertel um den Koppenplatz im Stadtbezirk Prenzlauer Berg war ein Zentrum jüdischer Einwanderer im 17./18. Jahrhundert. Sie kamen aus Wien, wo die Obrigkeit ihnen Spitznamen wie Edelmann, Glücksmann oder Goldstücker verpasste und wurden Berliner. Unser revolutionärer Entwurf im geteilten Berlin sah vor, in pyramidenförmigen Gebilden die Namen möglichst vieler aus dem Leben gerissener Berliner einzuschreiben und diese Adressierung durch bescheidene Schilder neben den Klingelschildern an den betreffenden Hauseingängen fortzusetzen, wo sie eben lebten. In der Synagoge in der Oranienburger Strasse bekamen wir dank Dr. Kirchner Einsicht in ein grosses schwarzes Buch mit Namen von 55.000 ermordeten Juden aus Berlin, davon 20.000 Flüchtlingen aus ganz Deutschland. Wir entdeckten, dass die wenigen reichen Westjuden von den vielen armen Ostjuden nichts wissen wollten. Weiterhin existierte ein schmales orangefarbenes Jüdisches Telefonbuch aus dem Berlin der 20er Jahre, etwa vergleichbar den Gelben Seiten von heute. Das war spannend miteinander zu vergleichen. An Hand dieser Adressen von jüdischen Firmen und Handwerkern konnten wir recht genau lokalisieren, wo z.B. die Amerikanische Wasch- und Bügelanstalt in der Warschauer Ecke Gubener Strasse war, oder eine Glaserei an der Warschauer Str. gegenüber. Ich wohnte damals in der Warschauer und befragte alte Menschen. So entstand unsere Idee. Mit einem Schild am Hauseingang konnten wir auf die normale Lebensweise der jüdischen Mitbürger hinweisen und sie in Erinnerung behalten. Aber wir machen es uns nicht einfach. Wie sollen wir das darstellen? Wie schaut ein Jude aus? Wie die Nazis ihn abgebildet hatten, als Untermenschen mit schiefer Nase und wulstigen Augenbrauen? Die Nazis hatten keinen Gedanken, nur ihre Rassenlehre, sie vermassen Nasen, Ohren, Augen... Oder ist ein typischer Jude identisch mit der Religion? Juden verantwortlich, dass Jesus am Kreuz gestorben ist? Aber was ist mit den Menschen, die nicht religiös sind, die an keinen Gott glauben? Wir konnten doch nicht alle über einen Kamm scheren, wie bei Hitler, Erbschande von der Grossmutter her, eine Idiotie. Sie waren doch Berliner, Deutsche, arbeiteten, sprachen und empfanden genau so. Viele waren noch Kinder, plötzlich aus Schule und Verein gerissen, verstanden gar nichts. Konnten wir Darstellungen aus Israel nehmen? Nein, die zeigten eine moderne Gesellschaft, die so in Deutschland nicht war, Palestinakrieg. Erst nach vielen Entwürfen und Gespächen mit Anselm Glücksmann trauten wir uns sowas wie eine Deutsche Jüdische Identität zu gestalten, die nicht abhängig war von Religion, Rasse oder Staat. Weil jeder Mensch anders ist. Etwas friedvolles, erhebendes sollte es sein. So ist diese Pyramide mit eingravierten Namen entstanden. Besucher sollten sie geistig ergänzen und verbinden können mit Namensschildern an Berliner Hauseingängen, wo Jüdische Handwerker lebten. Dieses Namenskonzept war eine Revolution, so etwas gab es in Deutschland nicht. Inzwischen ist es angewandt, siehe Stolpersteine. Ich wollte noch ein Lied von Lin Jaldati anfügen, aber im Internet war keins. So möchte ich mit dieser Szene aus Tumbalalaika schliessen. Dankeschön sagen Sebastian van Schie, von dem dieses filigrane Gebilde stammt, und Uli Schaarschmidt.

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